herr wichmann aus der dritten reihe: interview

interview

Wie ist es knapp 10 Jahre nach HERR WICHMANN VON DER CDU zum neuen Film über Henryk Wichmann gekommen?

Wir hatten nach dem ersten Film eigentlich immer einen losen Kontakt, und ich habe natürlich verfolgt, was er so macht. Nach der letzten Landtagswahl stand in der Zeitung: „Henryk Wichmann hat es wieder nicht geschafft.“ Die CDU hatte 19 Listenplätze für den Brandenburger Landtag bekommen, und Henryk Wichmann war natürlich auf Platz 20. Ein paar Wochen später las ich dann, dass einer der gewählten CDU-Abgeordneten lieber seinen Platz im Europaparlament wahrnehmen wollte. Platz 20 rückte auf Platz 19 vor, und das war Henryk Wichmann. Plötzlich war er im Parlament. Und da wurde ich dann doch neugierig. Mich hat interessiert, wie er das jetzt ausfüllt.

Die Idee dabei war, einen komplett selbständigen Film zu machen, der auch ohne die Ansicht des ersten Films funktioniert. Es geht um einen, der sich an der Basis abrackert, gerade in Zeiten, wo schnell sehr schlichte Klischees über Politiker bei der Hand sind. Wenn man den ersten Film gesehen hat, hat man noch das zusätzliche Vergnügen, zu beobachten, wie und ob sich Henryk in den Jahren verändert hat.

Sie haben Henryk Wichmann dann von der Idee erzählt?

Ich habe ihn im Landtag besucht und mich eine ganze Weile mit ihm unterhalten. Zu dem Zeitpunkt war er gerade zwei Monate dort, also ganz neu in der Fraktion. Ich wollte sehen, wie er seinen Platz gefunden hat. Was er dann so erzählte, wie er sich das vorstellt, sehr bürgernah zu arbeiten mit drei Bürgerbüros, die er aufmachen wollte, um sehr dicht bei den Leuten im Wahlkreis zu sein, das fand ich interessant. Ich dachte, es könnte erzählerisch reizvoll werden, dass man jetzt eben nicht nur Parlamentssitzungen oder die Arbeit in den Ausschüssen bringt, sondern sich auf die Wahlkreisarbeit konzentriert. Dann habe ich ihn gefragt, ob er noch mal mitmachen würde.
Wie hat er reagiert?

Er war sofort bereit. Er hatte ja auch mit dem ersten Film nie ein Problem. Es gab in unserer Zusammenarbeit immer eine große Offenheit. Es war klar, dass ich ganz unabhängig einen Film mache, aber er wusste natürlich auch, dass ich ihn grundsätzlich mit Sympathie begleite, auch wenn er in einer Partei ist, die ich persönlich nicht unbedingt wählen würde. Aber es geht bei diesen Filmen ja nicht um Parteipolitik.

Welche Themen haben Sie besonders interessiert?

Als ich zum ersten Mal im Landtag war, ist mir klar geworden, dass ich eigentlich sehr wenig darüber wusste, wie der parlamentarische Alltag funktioniert. Man begegnet ja der Politik in den Abendnachrichten eher abstrakt, aber die konkrete Arbeit in einem Landesparlament sieht komplett anders aus, ganz zu schweigen von dem, was einem im Wahlkreis begegnet. Ich dachte, das wäre ein interessanter Einblick, weil man so spürt, was für eine heftige Arbeit das ist.

Dann fand ich auch den Blickwinkel der Opposition interessant. Wichmann ist ja nicht wirklich für die Landespolitik verantwortlich, er kann sozusagen nur vor Ort versuchen, für die Bürger da zu sein. Andererseits hat er so natürlich die Chance, munter drauflos zu kritisieren, ohne sich nachher daran messen lassen zu müssen.

Wie hat der Landtag auf den Film reagiert?

Äußerst offen und kooperativ. Anfangs war ich in der CDU-Fraktion und habe mich und das Projekt dort vorgestellt. Mir war klar, dass es nicht ohne die Mitarbeit von Wichmanns Kollegen gehen wird. Wir bekamen die Genehmigung, auf den Sitzungen und in den Räumen der CDU-Fraktion zu drehen, wann immer wir wollten. Im Plenum selbst bedurfte es einer Sondergenehmigung von allen Fraktionen. Wir konnten uns dann frei mit unserer Kamera im Raum bewegen. Die Vereinbarung war im Grunde genauso, wie wir es mit Henryk gehandhabt haben: Wenn jemand nicht gefilmt werden will, sagt er das, und dann schalten wir die Kamera aus.

Mit Henryk gab es auch eine Verabredung, die wir beim ersten Film schon hatten: Wenn er nach einem Drehtag eine schlaflose Nacht haben sollte, weil er mit irgendeiner gedrehten Situation doch ein Problem hat, konnte er mich bis zum Abend des nächsten Tages anrufen und die Szene sperren. Das hat er de facto allerdings nie gemacht, weder beim ersten noch beim zweiten Film. Bestimmte Entscheidungen kann man ja nicht auf die Schnittphase verschieben. Man darf sich als Filmautor nicht in die Verlegenheit bringen, dass der Protagonist am Ende den Film abnimmt, sondern wir müssen in unseren jeweiligen Entscheidungen autark sein: er in seiner, was er an Situationen im Dreh zulässt, und ich in meiner, was ich daraus mache.

Sie haben Henryk Wichmann ein Jahr lang begleitet. Was waren Ihre dramaturgischen Überlegungen für den Film?

Ich hatte immer gehofft, dass sich in diesem Jahr vielleicht ein Großereignis herauskristallisiert, beispielsweise: Er kämpft für den Bau einer Straße, und am Ende dieses Jahres wird diese Straße gebaut. Das war natürlich völlig idiotisch, weil diese Prozesse sehr viel länger dauern. Dass uns dann so viele kleine Themen begegnet sind, hat mich anfangs ein bisschen verwirrt. Im Nachhinein ist mir aber klar, dass darin die eigentliche Schönheit und Qualität liegt, denn genau das beschreibt eben den ganzen alltäglichen Wahnsinn der Politik. Aber es haben sich doch ein paar Stränge ergeben: der Schreiadler, Ober- und Unteruckersee, und zuguterletzt als Sahnehäubchen das Problem der geschlossenen Zugtür in Vogelsang. Plötzlich gab es da ein paar ganz sinnlich-handfeste Probleme, die man gut darstellen konnte. Aber das sind so Sachen, die merkt man erst auf der Reise.

Ist es schwer, an solchen Problemen filmisch dranzubleiben, da die Entscheidungsprozesse ja oft im unübersichtlichen Geflecht von Politik und Verwaltung stattfinden?

Viele Probleme wurden am Rande geklärt, bei irgendwelchen Flurgesprächen oder bei Telefonaten irgendwo unterwegs. Man kriegt teilweise kaum mit, wie die Dinge sich entwickeln, und es ist tatsächlich unheimlich schwer, Dreharbeiten daraufhin zu planen. Man ist dann ein bisschen auf Zufall und Glück angewiesen. Später haben wir das besser in den Griff gekriegt, auch deswegen, weil die einzelnen Episoden konkret erzählbare Ereignisse hatten, zum Beispiel die Diskussion mit dem NABU über den Schreiadler-Radweg. Da habe ich sehr darum gekämpft, dass wir bei diesem Schlichtungstermin dabei sein können. So ist es eigentlich mit dem ganzen Film gewesen: schwer zu organisieren. Das hat auch damit zu tun, dass wir einen hyperaktiven Haupthelden haben, der einem die ganze Zeit wegrennt. Henryk ist ein Protagonist, der sich durch die Dreharbeiten eigentlich überhaupt nicht stören lässt. Er macht einfach komplett sein Ding.

Im ersten Film ging es um Wahlkampf, nun ist Wichmann ständig unterwegs. Was hat das für die filmische Arbeit bedeutet?

Ich wäre gerne ein bisschen strenger rangegangen. Das war aber rein technisch nicht möglich, weil Henryk außer im Büro und im Plenum, wo wir vom Stativ drehen konnten, die ganze Zeit unterwegs war. Und weil er meist ein bisschen zu spät war, gab es immer Hektik. Es braucht schon eine Weile, bis sich ein Kamerateam aus dem Auto geschält hat und drehbereit ist: aber selbst, wenn das nur 30 Sekunden waren, rannte uns Henryk oft schon weg. Ich musste ihn häufig regelrecht am Ärmel festhalten. Das hat mit seiner inneren Betriebstemperatur zu tun, der wir nicht immer ganz gewachsen waren. Jedenfalls ist der Film dadurch sehr viel schneller und bewegter geworden …

Wie groß war das Team?

Wir waren zu dritt, der Kameramann, der Tonmeister und ich. Es gab auch Tage, wo ich selber die Kamera gemacht habe. Weil die Arbeit über ein Jahr ging, war Andreas Höfer als Hauptkameramann nicht immer verfügbar, dann hat Michael Hammon gedreht, und wenn der auch nicht konnte, wollte ich nicht noch einen dritten Kameramann dazu holen, einfach aus stilistischen und Absprachegründen.

Wie sind Sie mit dem Ton umgegangen? War Ihr Protagonist immer verkabelt?

Ja, grundsätzlich. Darüber hinaus gab es eine Angel und das Kameramikrofon, also drei verschiedene Aufnahmemöglichkeiten. Meist ist es aber so, das ist ja auch die Perspektive des Films, dass wir über ihn in die Situation reingehen und selbst die Gesprächspartner recht häufig über sein Ansteckmikrofon mit aufgenommen werden.

Wie sehr war ihm das bewusst – er kannte das ja auch schon aus dem ersten Film –, dass Sie alles, was er sagt, mithören?

Grundsätzlich geht er damit sehr professionell um. Er weiß ja, dass er jederzeit einfach den Stecker rausziehen kann, dann schalten wir auch sofort die Kamera aus. Das war ein grundsätzlicher Teil der Absprache. Das hat er aber sehr selten gemacht. Ich glaube, Henryk hat ein Bewusstsein darüber, dass das, was er dort macht, gefilmt wird. Aber es ist nicht so, dass er das die ganze Zeit kontrolliert.

Gerade im Parlament war das interessant für uns. Es ist ja sehr schwierig, solche Plenumsdebatten zu filmen, ohne dass das wie eine Fernsehübertragung daherkommt. Für uns wurde schnell klar, dass das eigentlich Interessante für unseren Film die Innenperspektive ist, seine Perspektive. Und die kriegt man übers Ansteckmikrofon. Häufig habe ich dann meinen Tonmeister gebeten, mir alle anderen Tonquellen abzuschalten. Dann hatte ich wirklich nur Henryk auf meinen Kopfhörern, und das gibt eine seltsame und reizvolle Perspektive, weil man plötzlich ein Gespräch, das jemand mit seinem Banknachbarn führt, in solch einer öffentlichen Situation so intim hört.

Ist ihm die Absurdität bestimmter Situationen bewusst?

Ich glaube schon. Ihm ist auch durch die Erfahrungen aus dem ersten Film durchaus klar, welche Momente darstellbar und filmisch interessant sind. Wir haben uns ein paarmal unterhalten, und ich habe ihm gesagt: Mensch, für uns ist es manchmal schwer, dir zu folgen und bestimmte Entwicklungen darzustellen. Wir haben uns auch über dramaturgische Schwierigkeiten unterhalten, die der Film dadurch für uns bekommt, als er dann plötzlich sagte: „Na ja, aber ein bisschen lustig wird es doch hoffentlich auch…“

Wie interessant war für Sie der parlamentarische Alltag?

Als ich das erste Mal da war, ist mir sofort klargeworden, dass es sehr schwer ist, dort zu drehen. Man hätte ein großes Thema gebraucht, an dem sich alle das ganze Jahr über abarbeiten. Die Wahrheit ist aber, dass es ganz viele kleine Themen sind, teilweise auch hochkomplexe Sachverhalte. Es ist sehr schwierig, das in einem Film so zu vermitteln, dass es filmisch auch interessant ist. Auf der anderen Seite hat das Plenum natürlich den Vorteil, dass es die Bühne der Politik ist. Dort wird das Schauspiel ausgetragen. Da beharken sich die Fraktionen. Da kristallisiert sich heraus, was Opposition und Regierung sind. Für mich war es reizvoll, das konterkarierend einzusetzen gegenüber dem, was wir sonst im Film haben: Dass die Arbeit von Henryk im Alltag seines Wahlkreises fast gar nicht von Parteipolitik getragen ist. Auch außerhalb der Plenarsitzungen hat die Parteipolitik keine entscheidende Rolle gespielt. Da wird eigentlich relativ fair fraktionsübergreifend zusammengearbeitet, wenn es um die konkreten Probleme geht.

Mit welchen Überlegungen sind Sie in die Montage gegangen?

Wir hatten den Verlauf eines Jahres, das war der grundsätzliche Bogen. Dann wird wieder der Geburtstagsblumenstrauß überreicht und man weiß: Jetzt geht das alles wieder von vorne los. Wir haben dann ganze Sequenzen durchgebaut, wie die, die sich auf den Schreiadler bezog, Szenen, die uns wichtig waren, wie die Eröffnung der beiden Bürgerbüros, dann die Parlamentsdebatten. So hat sich nach und nach von innen heraus der Film im Aufbau entschlüsselt.

Hatten Sie überlegt, auch klassische Sit-down-Interviews mit Wichmann zu machen?

Wir haben das natürlich überlegt. Ich fand es dann aber schöner, bei den Autofahrten Gespräche mit ihm zu führen, wo es nicht ganz so interviewmäßig daherkommt, sondern mehr situativ, wo er auch nicht jedes Wort auf die Goldwaage legt. Oft hat Henryk auch einfach von sich heraus etwas erzählt, so kommt es jetzt auch im Film rüber.

Das Privatleben von Henryk Wichmann, der ja inzwischen Vater dreier Kinder ist, lassen Sie nur am Rande aufscheinen.

Wir haben auch bei ihm zu Hause gedreht, und dabei sind sogar ganz schöne Sachen entstanden. Aber das hat sich szenisch nicht zwingend in den Film eingefügt. Mir kam das dann plötzlich beleghaft vor. Schließlich machen wir einen Film über die politische Alltagsarbeit. Jetzt ist es dort, wo es sich organisch einbindet, nämlich wo sich Privatleben und Arbeit treffen: Wenn er die Kinder morgens zur Kita bringt, wenn seine Frau mit einer Tochter und seiner Mutter zur Büroeröffnung da ist.

Wie sehr hat es Sie interessiert, im Porträt des Landtagsabgeordneten Wichmann auch die Realität des Landes zu zeigen?

Das ergibt sich von selbst. Über die Probleme und Menschen, die ihm da begegnen, erfährt man etwas über den Zustand des Landes, manchmal gerade auch über Kleinigkeiten: Die beiden alten Leute auf der Bank vor ihrem Haus, denen sich Wichmann als ihr Landtagsabgeordneter vorstellt; der Hartz IV-Empfänger, der aufgrund der Unterschriftensammlung einer Hausgemeinschaft keine größere Wohnung kriegt; und natürlich auch das große Problem eines Landstrichs, wo es kaum Industrie gibt und der Naturschutz viele Probleme dominiert. Das ist uns wirklich fast überall begegnet: ob es der Kanal zwischen Ober- und Unteruckersee ist oder die holzverarbeitende Industrie, die mittlerweile ihre Baustämme aus Baden-Württemberg oder Bayern rankarren lässt, weil sie im eigenen Umfeld nicht abschlagen dürfen … Das war schon auffällig. Selbst der Bau eines Radweges erweist sich als schwierig.

In manchen Passagen des Films ist man versucht, alle Hoffnung fahren zu lassen, so wenig Bürgerengagament und Gestaltungswillen ist da zu spüren.

Ja. Wenn man sich die alten Damen in Himmelpfort anguckt, die mit allem nur noch hadern, da denkt man: Mein Gott! Wo ist eigentlich noch die Leidenschaft der Bürger? Viele treten mit einem Anspruch an die Politiker heran, der überhaupt nicht im Verhältnis steht zu dem, was sie selber einzubringen bereit sind. Die kommen ja dann häufig mit recht schlichten Klischees daher: „Die Politiker wollen nur ihre Diäten erhöhen. Denen geht es nur um ihre eigenen Interessen. Die sind sich sowieso nie einig.“ Absurd wird es dann, wenn Henryk in einer Bürgerrunde sitzt und man ihm sagt: „Die Politiker sollten sich mal anhören, was wir wirklich denken, die sollten mal zu uns kommen.“ Ich meine, er sitzt ja gerade dort!

Das ist eine Beobachtung, die schon beim ersten Film eine Rolle spielte. Was ist eine Demokratie eigentlich wert, wenn keiner mehr bereit ist, etwas einzubringen? Wenn alle nur noch mit teilweise kleinlichen Forderungen gegeneinander antreten? Wo es keine gemeinsamen Visionen mehr gibt, sondern nur noch Ansprüche an das jeweilige Gegenüber?

Wie geht Henryk Wichmann damit um?

Komischerweise ist er nicht frustriert. Ich finde, er hat eine Engelsgeduld und ist frei von Zynismus oder Sarkasmus. Das ist wirklich erstaunlich. Wir kamen manchmal aus Bürgergesprächen raus, wo ich wirklich sagen muss, da konnte ich nicht mehr. Ich habe dann zu ihm gesagt: Mann, wie hältst du das aus?! An einer Stelle sagt er im Film: „Na ja, sonst hört sich das ja keiner an, was die Leute so für Probleme haben.“

Ich glaube, ihm macht das wirklich Spaß. Er zieht sich auch mit größter Leidenschaft immer mehr Arbeit auf den Hals. Natürlich hat er dann auch Freude daran, wenn plötzlich so ein Zug in Vogelsang die Türen wieder öffnet. Man könnte jetzt sagen, das ist ja nun ein sehr schmaler Triumph. Aber für die Leute vor Ort ist das nicht so. Immerhin können etliche Kinder jetzt wieder stündlich mit dem Zug zur Schule fahren.

Das Verständnis, das Wichmann von seiner Aufgabe hat, erinnert manchmal daran, dass ein Abgeordneter weniger seiner Partei als den Menschen in seinem Wahlkreis oder eigentlich seinem Gewissen verpflichtet zu sein hat.

Er ist eigentlich für alle Leute und ihre Probleme ansprechbar. Wir haben ja noch viel mehr gedreht als das, was im Film ist. Das geht bis zu einer kaputten Heizungsanlage, um die er sich kümmert, wo man sich wirklich fragt: In welche Abgründe des täglichen Lebens muss er denn noch runter? Irgendwie hatte ich mir die alltägliche Politik ein bisschen konzeptioneller vorgestellt, mit größeren Bögen. Dass es dann so ins Detail geht, hätte ich nicht erwartet.

Wenn Sie den sehr jungen Bundestagskandidaten aus Ihrem ersten Film mit dem jungen Landtagsabgeordneten jetzt vergleichen: Was hat sich da verändert in einer Politikerkarriere?

Ich würde sagen, er ist offener geworden. Er hat auch gelernt, mehr zuzuhören. Andere Sachen sind geblieben. Dieses Über-das-Ziel-Hinausstürmen ist immer noch da. Dadurch produziert er ja häufig Slapstick-Situationen, weil ihm die Sache aus dem Ruder läuft. Er hat irgendwo immer noch dieses Don-Quijote-Artige, in die unmöglichsten Situationen reinzugehen und es mit ganz viel Leidenschaft trotzdem zu versuchen. Er ist ein Mensch, der auch mit einer gewissen gesunden Naivität durchs Leben geht. Gerade für den Politikbetrieb ist das wahrscheinlich sehr ungewöhnlich. Damals, als wir vor 10 Jahren mit ihm gedreht haben, war mir das noch gar nicht so klar. Und jetzt hat sich das als etwas sehr Wesentliches herausgestellt.

Wie hat Ihr Protagonist reagiert, als er den Film gesehen hat?

Er hat alle Situationen noch mal erlebt und immer noch was dazu zu sagen gehabt. Aber er hat den Film, glaube ich, sehr gemocht. Er fühlt seine Arbeit gut wiedergegeben. Er hatte ein wenig Bauchschmerzen mit der Szene, wo er im Parlament so ein bisschen pöbelt. Da hat er gesagt, das sieht er jetzt doch mit ein bisschen Distanz. Aber ansonsten war er komplett einverstanden. Wie beim ersten Film: Er hat keine wirkliche Scheu, auch mit Situationen, die komisch sind, an die Öffentlichkeit zu gehen. Er sagt: „Ich bin so. So ist das Leben, selbst wenn es manchmal schiefgeht.“

Wäre es für Sie denkbar, in zehn Jahren nochmal einen Film über Henryk Wichmann zu machen?

Wer weiß? Es ist ja durchaus interessant, jemandem in bestimmten Zeitabständen wieder zu begegnen. Aber es müsste dann wiederum was ganz anderes mit ihm sein. Vielleicht wird er ja Bundespräsident (lacht). Herr Wichmann aus Bellevue …

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